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Von den Römern bis zum Abwasserkonzept 2000

Von den Römern bis zum Abwasserkonzept 2000
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09.07.2021

Der Weg von den Anfängen der Stadtentwässerung bis zur Gründung der StEB Köln im Jahr 2001 war lang. Dabei reicht die Historie des Entwässerungsnetzes in Köln bis in römische Zeiten zurück, bereits in der Antike war das System sehr gut entwickelt.

Noch heute übrigens lassen sich Relikte aus dieser Zeit in Köln finden, zum Beispiel am Hauptsammler in der Budengasse. Er gilt als längstes und am besten erhaltenes Monument römischer Kanalisation in Westeuropa.

Als wichtige Elemente urbanen Lebens waren die Anlagen der Abwasserbeseitigung eng mit der Stadtgeschichte Kölns verbunden. Das zeigt sich beispielsweise im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, als ein übergreifendes Konzept der Stadtentwässerung fehlte und viele Anlagen der Römer in Vergessenheit gerieten. Erst der Aufschwung zum Ende des 19. Jahrhunderts läutete den Beginn einer neuen Ära ein – es begann die Phase der modernen Stadtentwässerung. Prägend für diese Zeit war der Bauingenieur, Visionär und Pionier Carl Steuernagel. Er erkannte 1881 die Chance, auf Basis der römischen Anlagen ein neues System der Stadtentwässerung zu entwickeln, die sogenannte Schwemmkanalisation.

Bei dieser wurden das Schmutz- und Regenwasser in einem Kanalrohr abgeleitet und der Regen als Spülung mit eingebunden. Um ein Überlaufen des Kanals bei starkem Regen zu verhindern, wurde zur Entlastung erstmals eine Regenüberfallkante integriert. In seinen Grundzügen hat das von Steuernagel entwickelte System bis heute Bestand. Auch der unter dem Theodor Heuss-Ring nahe des Ebertplatzes gelegene Kronleuchtersaal geht auf den damaligen Stadtbaurat zurück. Er wurde 1890 als Vereinigungsbauwerk errichtet und für den Besuch des Kaisers Wilhelm II. mit zwei Kronleuchtern ausgestattet.

Köln aus der Vogelperspektive aus Südwesten im Jahr 1886; Aquarell von Jakob Scheiner.

Carl Steuernagel als Begründer der modernen Stadtentwässerung

Prinzipiell war das in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts geschaffene Kölner Entwässerungssystem sowohl von konzeptioneller Klarheit als auch von planerischer Weitsicht geprägt. Insofern kann Steuernagel als visionärer Begründer der modernen Stadtentwässerung bezeichnet werden.

In den Jahren nach der Jahrhundertwende wurden der Ausbau dieses Netzes sowie die Kanalisierung der Vororte systematisch vorangetrieben. Ein Prozess, der mit der wachsenden Einwohnerzahl der Stadt bis heute anhält. Als 1905 in Köln-Niehl das erste mechanische Klärwerk in Betrieb genommen wurde, waren Alt- und Neustadt sowie die Stadteile Nippes, Ehrenfeld und Deutz bereits vollständig kanalisiert. Umfasst das Kanalnetz im Jahr 1914 eine Länge von über 500 Kilometern, so waren es 1952 schon mehr als 750, 1993 sogar mehr als 2.200 Kilometer.

Kanalbaustelle um 1900

Umweltschutz und innovative Konzepte

Was die Klärwerke betrifft, konnte nach Beendigung des zweiten Weltkrieges im Jahr 1953 das Großklärwerk Köln Stammheim in Betrieb genommen werden. Auch hier wurde das Abwasser zunächst noch mechanisch gereinigt, 1976 jedoch erfolgte eine Erweiterung um ein biologisches Reinigungssystem. In Stammheim wie auch in den anderen Klärwerken der StEB Köln wurde die Verfahrenstechnik seither kontinuierlich weiterentwickelt und modernisiert, um den verschärften gesetzlichen Anforderungen der Abwasserbeseitigung und des Umweltschutzes gerecht zu werden.

Dazu dient auch das Mitte der 1980er-Jahre entwickelte „Abwasserkonzept 2000“. Es wurde zu einer Erfolgsgeschichte, was auch dadurch deutlich wird, dass das Abwasserkonzept und das nach den Jahrhunderthochwassern Mitte der 1990er-Jahre auf den Weg gebrachte Hochwasserschutzkonzept der Stadt Köln als weltweit anerkannte Projekte im Rahmen der EXPO 2000 präsentiert wurden.

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