Hochwasserstufe 1

Wasser weg vom Gebäude!

Wasser weg vom Gebäude!
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25.04.2017

Mit dem Architekten Dr. Peter Kotulla auf „Starkregen-Tour“ im Kölner Westen

Von Manfred Kasper, Büro für Journalismus und PR, Köln

Die Häufigkeit von Unwettern mit sintflutartigen Regenfällen (so genannte Starkregenereignisse) hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Ein Trend, der – nicht zuletzt aufgrund des Klimawandels – weiter anhalten wird. Im Gegensatz zum „herkömmlichen“ Hochwasser betrifft Starkregen auch Gebiete, die weit ab vom Rhein liegen und bislang als „sicher“ galten. Was kann man tun, um sich vor den Folgen des Starkregens zu schützen und eine nachhaltige Überflutungsvorsorge zu treffen?

Ich besuche den Architekten Dr. Peter Kotulla in seinem Architekturbüro im Kölner Westen. Mit seinem Team bietet er seit vielen Jahren alle Dienstleistungen rund um das Thema Bauen an. Immer wichtiger werden dabei Fragen der Überflutungsvorsorge, über die ich mit Kotulla reden möchte. „Das Beste ist, wir schauen uns das Ganze direkt vor Ort an“, schlägt der Architekt vor. Gesagt, getan, und so starten wir eine kleine Tour durch die benachbarten Stadtviertel.

Wir beginnen an einem Ärztehaus, das derzeit neu errichtet wird. „Als Architekt müssen Sie beachten, dass vieles, was einst die theoretische Annahme eines Ingenieurs war, längst Realität geworden ist. Beim Überflutungsschutz reicht es nicht aus, sich auf Normen zu berufen, vielmehr müssen Sie Konstruktionen wählen, die bestimmten Gefahren vorbeugen“, erzählt Kotulla. Im Fall des Ärztehauses erfolgt die Vorbeugung in Form eines Rigolensystems. Dieses tritt in Aktion, wenn die Dachrinne die Niederschläge nicht mehr aufnehmen kann und das angestaute Wasser überläuft. Dann leitet das Rigolensystem das Regenwasser in den Untergrund, wo es langsam versickern kann. Auf diese Weise lässt sich eine Flutung des Gebäudes erfolgreich verhindern.

Von Anfang an einbeziehen

Wichtig ist es, den Objektschutz von Anfang an in die Planungen einzubeziehen, denn nur so ist wirksame Vorsorge möglich. Neben Rigolensystemen können dabei auch andere Lösungen zum Tragen kommen. Ein paar Straßen weiter zeigt Kotulla mir ein Mehrfamilienhaus. Hier verhindert eine leicht erhöhte Terrasse im Eingangsbereich, dass das Wasser bei einem Starkregenereignis in das abschüssige Grundstück eindringt und die Wohn- und Kellerräume flutet. Die knapp 15 cm hohe Stufe ist eine günstige, aber sehr effektvolle Lösung, die für Sicherheit sorgt. Als barrierefreie Lösung käme auch eine Rampe in Frage.

Mehr Probleme bei Altbauten

Schwieriger als bei neuen Bauprojekten ist die Situation hingegen bei Altbauten. Bei älteren Gebäuden wurde das Thema der Überflutungsvorsorge beim Bau oft nicht so berücksichtigt, wie es heute der Fall wäre. Hier geht es vor allem darum, über Instandsetzungen etwas zu bewirken. Dabei lautet die Hauptregel: Wasser weg vom Gebäude! Sei es, indem man druckwasserdichte Kellerfenster einbaut oder bei einer anstehenden Renovierung den Parkettboden in tief liegenden Räumen durch Fliesen ersetzt. Wie bei Neubauten muss auch bei älteren Häusern je nach Objekt entschieden werden, welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind, um eine Überflutungsvorsorge zu gewährleisten.

Aufklärungsarbeit ist notwendig

„Als Architekt muss ich fast immer auf das Thema hinweisen, denn das Bewusstsein für die Gefahren, die Starkregen mit sich bringt, ist in der Öffentlichkeit noch nicht ausreichend präsent“, unterstreicht Kotulla. Es brauche noch viel Aufklärung, um verständlich zu machen, warum derartige Aspekte heute beim Planen und Bauen von Beginn an mitbedacht werden müssten. Das gelte sicherlich auch für andere Themen wie Energie oder Barrierefreiheit, die Überflutungsvorsorge sei jedoch ein Bereich, der sowohl für Grundstückseigentümer als auch für Bauherren und Architekten immer stärker in den Fokus rücke.

Objektschutz allein reicht nicht aus

Doch der Objektschutz allein reicht nicht aus. „Wenn wir nachhaltig etwas bewegen wollen, müssen wir auch das Gefährdungspotenzial in bestimmten Stadtvierteln kennen“, hebt Kotulla hervor. Er unterstreicht: „Wir müssen wissen, wo wir Gebäude errichten können und wo wir besser Verkehrs- oder Freiflächen planen, auf denen das Wasser ungehindert abfließen kann. Und das nicht nur heute, sondern vor allem auch in Zukunft, denn was wird passieren, wenn sich die Situation weiter verschärft?“

Eine solche Herausforderung verlange sowohl Aufklärungsarbeit als auch neue Formen der Kommunikation und des Dialogs. Kotulla ist überzeugt, dass nur durch das gemeinsame Handeln aller Akteure nachhaltige Lösungen erreicht werden. Sehr hilfreich ist es daher seiner Meinung nach, dass Informationen zur Überflutungsvorsorge in Köln bereits frühzeitig in Bebauungsplänen bereitgestellt werden. So erfolgt eine Einbindung der Überflutungsvorsorge in städtische Planungsprozesse. Über die neuen Starkregengefahrenkarten der StEB Köln können Interessierte zudem die Überflutungsgefahr für ihre Grundstücke überprüfen. Privatpersonen, die einen Neubau oder eine Renovierung planen, finden im neuen Leitfaden der StEB konkrete Tipps mit Beispielen und Kostenrahmen.

Darüber hinaus würde sich Kotulla eine Art Masterplan Überflutungsvorsorge wünschen – ein Strategiepapier für die gesamtstädtische Überflutungsvorsorge mit entsprechenden Einschätzungen und Prognosen. Ein solcher Leitfaden könne zugleich dazu beitragen, die Kommunikation und den Dialog über das Thema zu intensivieren.

Weitere Informationen der StEB zu dem Thema erhalten Sie auf der Seite: Starkregen und Sturzfluten

Ihr Ansprechpartner

Andrea Bröder
Unternehmenskommunikation - Presse und Redaktion
0221 221-28941, Mobil: 0163 5385107
andrea.broeder@steb-koeln.de