Informationswert 1

Klärschlammverwertung

Die Verwertung und Beseitigung von Klärschlamm gehört zu den zentralen Aufgaben der Stadtentwässerungsbetriebe Köln. Daher planen die StEB Köln gemeinsam mit den Stadtwerken Köln und weiteren kommunalen Kläranlagenbetreibern ein Projekt zum Bau und Betrieb einer Klärschlammverbrennungsanlage in Köln-Merkenich.

Welche aktuellen Rahmenbedingungen gibt es?

Die StEB Köln entsorgen ihren Klärschlamm zurzeit in der Mitverbrennung mit Braunkohle in den Kohleveredelungskraftwerken der RWE Power AG in Hürth und Frechen.

Die Entsorgungslage von Klärschlamm ist angespannt. Aufgrund der Änderungen der Klärschlamm- und Düngeverordnung suchen die StEB Köln, wie viele Städte und Gemeinden im Rheinland, nach neuen Wegen, wie sie den Schlamm aus ihren Kläranlagen künftig entsorgen können. Dabei stehen alle vor denselben Herausforderungen:

  • Verbrennungskapazitäten fehlen auf Dauer: Die derzeitige Mitverbrennung der kommunalen Klärschlämme in den rheinischen Kohlekraftwerken ist energiepolitisch langfristig nicht möglich.
  • Die landwirtschaftliche Klärschlammverwertung ist ab 2029 nicht mehr zulässig.
  • Der in Klärschlämmen enthaltene Phosphor muss zukünftig zurückgewonnen werden.

Das Preisniveau für die Klärschlammentsorgung ist seit 2017 sprunghaft gestiegen und es gilt, einen Entsorgungsnotstand zu vermeiden. Doch welche Lösungen sind geeignet, um Entsorgungssicherheit und Phosphorrückgewinnung zu wirtschaftlichen Preisen gewährleisten zu können?

Nach oben

Wie sieht eine nachhaltige Lösung für die Region aus?

Vor diesem Hintergrund gründeten die StEB Köln, der Wasserverband Eifel-Rur, der Erftverband, der Niersverband, die Stadt Bonn und 17 interessierte Gemeinden aus dem Nahbereich im Jahr 2018/2019 die Klärschlammkooperation Rheinland (KKR). Wesentliches Ziel der KKR war die Suche nach einer kosteneffizienten, umweltgerechten und rechtssicheren Entsorgungslösung.

Ergebnis des Zusammenschlusses der KKR ist die Aufteilung der Klärschlammmengen auf zwei Standorte. Danach verfolgen der Wasserverband Eifel-Rur, der Erftverband und der Niersverband derzeit die Errichtung einer Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) über ein ÖPP Modell.

Für die kommunalen Abwasserentsorger, unter anderem die StEB Köln, besteht die Möglichkeit zur Errichtung einer KVA auf dem Gelände des Heizkraftwerks in Köln-Merkenich im Rahmen einer Inhouse-Lösung als Investition in die Region.

Alternative Standortoptionen stehen derzeit - auch nach intensiver Suche - nicht zur Verfügung.

Nach oben

Welche Anlage ist am Standort Köln-Merkenich geplant?

Kommunale Kläranlagenbetreiber planen und bauen gemeinsam mit den StEB Köln und der Stadtwerke Köln GmbH (SWK) eine Klärschlammverbrennungsanlage (KVA) am Kraftwerksstandort der RheinEnergie im Industriegebiet Köln-Merkenich.

- Die Anlage wird geplant mit einer Kapazität von 30.000 - 39.000 t/a TS (Trockensubstanz). Das entspricht 120.000 – 156.000 t/a Originalsubstanz.

- Bis 2025 wird die RheinEnergie den Braunkohlenblock stilllegen.

- Die Klärschlammverwertung kommt als Teilersatz, nicht on top.

- Die Klärschlammverbrennung ist unabdingbar, um bis 2040 Klimaneutralität in der Wärmeerzeugung zu erreichen.

- Der Standort sichert langfristig Arbeitsplätze.

Nach oben

Welche ökologischen und ökonomischen Vorteile bringt diese Lösung?

Copyright ©KW Media - stock.adobe.com

  • Der Klärschlamm des Großklärwerks Köln-Stammheim kann mittels einer Druckleitung durch einen vorhandenen Düker zur Anlage transportiert werden. Für Köln ergibt sich bereits damit eine massive Entlastung des städtischen Straßenverkehrs.4.800 LKW-Fahrten/a - für 78 % der Kölner Klärschlämme (62.000 t/a) - durch die Ortschaft Stammheim und über den Autobahnring auf einer Strecke von 20 km sind nicht mehr erforderlich (Hin- und Rückfahrt). Damit ist sowohl eine deutliche Entlastung des Verkehrs in Köln-Stammheim als auch eine deutliche Reduzierung innerstädtischer Emissionen wie NO2, Geruch, Staub, Lärm und CO2 möglich.
  • Der Bonner Klärschlamm kann von der Kläranlage Salierweg (18 % der Gesamtmenge) anstelle mit dem LKW auch per Schiff über den Bonner Hafen nach Köln transportiert werden. Dies würde die regionale Verkehrsbelastung weiter reduzieren.
  • Die Abwärme der KVA kann ganzjährig im vorhandenen Kölner Fernwärmenetz verwendet werden und darüber ca. 1.700 Haushalte mit Wärme versorgen. Ein geringer Stromüberschuss kann in das allgemeine Netz eingespeist werden. Die KVA stellt damit einen Beitrag für die Umstellung der Kölner Energieversorgung auf erneuerbare Quellen dar und sichert gleichzeitig den RheinEnergie-Kraftwerksstandort in Merkenich.
  • Ausreichende Flächen stehen auch für eine Phosphor-Recycling-Anlage zur Verfügung.
  • Langfristige anlagentechnische und infrastrukturelle Synergien für einen wirtschaftlichen Betrieb können durch das bereits bestehende Heizkraftwerk genutzt werden.
  • Eine sehr gute logistische Anbindung (Straße, Bahn, Schiff, geplant: Druckleitung) ist vorhanden bzw. kann eingerichtet werden.

Geplanter Klärschlammtransport mittels Druckleitung

Nach oben

Welche Möglichkeiten eröffnen sich für die interkommunale Zusammenarbeit?

Die StEB Köln und die Stadtwerke Köln beabsichtigen, ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, das den Bau und den Betrieb einer KVA verantworten soll: die KLAR GmbH (Klärschlammverwertung am Rhein). Sie bieten der Stadt Bonn sowie interessierten Städten und Gemeinden im Umkreis an, sich dem Projekt anzuschließen. Die SWK ist bereit, der KLAR GmbH ein Grundstück auf dem Gelände des Heizkraftwerks in Köln Merkenich im Wege einer Erbpacht zur Verfügung zu stellen.

Damit eröffnet sich die Möglichkeit, in Form einer Inhouse-Lösung interkommunal zusammenzuarbeiten: Alle Beteiligten können als öffentliche Auftraggeber ihre Klärschlämme in die Gesellschaft einbringen und gewinnen eine langfristige Entsorgungssicherheit und Preisstabilität. Das Risiko stark steigender Marktpreise entfällt. Zudem kann die geplante Anlage sehr wirtschaftlich betrieben werden: Die Mengen der Klärschlammanlieferungen werden verbindlich festgelegt, sodass eine Vollauslastung der KVA gewährleistet ist und keine Überkapazitäten entstehen.

Die SWK übernimmt an diesem Gemeinschaftsunternehmen 24,9 % der Anteile. Die übrigen Anteile werden im Verhältnis der eingebrachten Klärschlammmengen zwischen den weiteren Gesellschaftern aufgeteilt.

Nach oben

Wie ist der aktuelle Stand der Planung, Genehmigung und Öffentlichkeitsbeteiligung?

Das Projekt befindet sich in einem frühen Stadium. Der Rat der Stadt Köln hat dem Bau und Betrieb der Klärschlammverbrennungsanlage in Köln-Merkenich am 06.05.2021 zugestimmt.

Nun erst beginnt die Detailplanung, die in das Genehmigungsverfahren einfließen wird. Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens nach BImSch-Gesetz erfolgt die gesetzlich vorgeschriebene Beteiligung der Öffentlichkeit auf Basis der konkreten Planungswerte. Bei allen weiteren Schritten sind eine aktive Informationsarbeit und eine Einbindung der Öffentlichkeit fester Bestandteil des Projekts.

Nach oben

Fragen und Antworten

In unseren FAQ finden Sie Informationen zu folgenden Punkten: Allgemeine Fragen (A), Umweltbelastung (B), Bau der Anlage (C), Betrieb und Sicherheit der Anlage (D), Transport (E) sowie zum Thema Klärschlamm allgemein (F). Die Informationen werden fortlaufend aktualisiert.

Nachfolgend finden Sie das PDF mit den Fragen und Antworten.

Folgen Sie uns