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Klärschlammverwertung

Die Verwertung und Beseitigung von Klärschlamm gehört zu den zentralen Aufgaben der Stadtentwässerungsbetriebe Köln. Daher planen die StEB Köln gemeinsam mit den Stadtwerken Köln und weiteren kommunalen Kläranlagenbetreibern ein Zukunftsprojekt zum Bau und Betrieb einer Klärschlammverbrennungsanlage in Köln-Merkenich.

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Wie entsorgen die StEB Köln ihren Klärschlamm in Zukunft?

Zurzeit wird der Kölner Klärschlamm in den rheinischen Kohlekraftwerken in Hürth und Frechen mitverbrannt. Deutschland steigt in den nächsten Jahren jedoch aus dem Energieträger Kohle aus. Die Möglichkeit, Klärschlamm in Kraftwerken zu verbrennen, fällt daher künftig weg.

Bisher wurde Klärschlamm wegen der enthaltenen Rohstoffe häufig als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt. Das ist aufgrund von Änderungen in der Klärschlammverordnung ab 2029 nicht mehr erlaubt.

Zudem muss in Zukunft der wertvolle Rohstoff Phosphor aus dem Schlamm zurückgewonnen – recycelt – werden. Auf diesen essenziellen Stoff ist jeder von uns dringend angewiesen. Er spielt nicht nur als Dünger auf den Feldern eine große Rolle, sondern wird auch in der Lebensmittelverarbeitung als Zusatzstoff eingesetzt. Mittelfristig werden die Vorkommen der Minerale zur Neige gehen, die zur Herstellung von Phosphor notwendig sind. Das Recycling aus Klärschlamm wird daher zwischen 2029 und 2032 schrittweise zur Pflicht.

Seit 2017 ist außerdem das Preisniveau für die Klärschlammentsorgung sprunghaft gestiegen. Die StEB Köln stehen deswegen vor der Herausforderung, die Kosten für die Bürgerinnen und Bürger niedrig zu halten sowie einen Entsorgungsnotstand zu vermeiden.

Wussten Sie?

Klärschlamm bleibt bei der Reinigung von Abwasser zurück und enthält wichtige Rohstoffe, die weiterverwertet werden können. Generell wird bei Klärschlamm zwischen der Originalsubstanz (OS) und getrocknetem Klärschlamm, auch Trockensubstanz (TS) genannt, unterschieden.

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Wie sieht eine nachhaltige Lösung für die Region aus?

In einer Großstadt wie Köln fallen jeden Tag große Mengen Klärschlamm an. Diese müssen umweltfreundlich und sicher verwertet werden. Für die Region um Köln zeichnet sich eine nachhaltige Lösung ab, die neue Herausforderungen wie Boden- und Grundwasserschutz, Kohleausstieg sowie Ressourcen- und Klimaschutz berücksichtigt.

Die StEB Köln planen gemeinsam mit den Stadtwerken Köln und weiteren kommunalen Kläranlagenbetreibern eine Anlage zur Verwertung von Klärschlamm am Kraftwerksstandort in Köln-Merkenich. Der Kölner Rat hat dazu eine Mindestgröße von 30.000 Tonnen Trockensubstanz vorgegeben. Für den Bau und Betrieb der Anlage wird die KLAR GmbH gegründet. Damit der Einfluss der Gemeinwohlinteressen gewahrt bleibt, wird KLAR ausschließlich von kommunalen Unternehmen getragen.

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Welche Anlage ist am Standort Köln-Merkenich geplant?

Bis 2025 wird die RheinEnergie AG im Industriegebiet Köln-Merkenich einen Braunkohleblock im dortigen Kraftwerk stilllegen. Das Gelände steht als genehmigter Kraftwerksstandort für die Klärschlammverwertung jedoch weiter zur Verfügung. Auf ca. 5.000 m² des insgesamt 112.000 m² großen Geländes entsteht die neue Klärschlammverbrennungsanlage. Vorhandene Gebäude wie die Werkstatt und Fernwärmestation des Kraftwerks lassen sich weiter nutzen. Das spart Energie, Zeit und Kosten.

Die Anlage in Köln-Merkenich wird mit einer Kapazität von 30.000-39.000 t/a TS (Trockensubstanz) geplant. Die StEB Köln können mit ihren Partnern durch die Anlage Klärschlamm von zwei Millionen Einwohnern verwerten – aus Köln und aus der direkten Umgebung.

Die Nutzung des Klärschlamms in der Verbrennung ist unabdingbar, um bis 2035 Klimaneutralität in der Wärmeerzeugung zu erreichen. Darauf hat sich die Stadt Köln verpflichtet. Die in der Anlage erzeugte Energie (Strom und Wärme) versorgt zudem die Industriebetriebe im Norden von Köln mit ihren zahlreichen Arbeitsplätzen.

Prozesse in der Klärschlammverwertung:

Lieferung

Anlieferung per Druckleitung, Schiff und Lkw (und ggf. Bahn)
=> einmaliges Anlieferungskonzept

Trocknung

Trocknung des Klärschlamms mit Dampf aus dem Prozess
=> geschlossenes System verhindert Austritt von Gerüchen

Verbrennung

Verbrennung des getrockneten Schlamms im Wirbelschichtofen
=> moderne und ausgereifte Technik
=> sehr niedrige Emissionen

Erzeugung

Nutzung von Energieüberschüssen für das öffentliche Netz
=> Fernwärme
=> Strom

Abtransport

Weitertransport der Asche an einen sicheren Ort
=> möglicher Standort: Deponie Vereinigte Ville „Erftstadt“

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Was spricht für diese Lösung?

Insgesamt wurden sechs Standorte genauer untersucht. Dabei handelte es sich um gewerblich bzw. industriell genutzte Standorte mit geeigneter Infrastruktur wie in Hürth, Weisweiler oder Köln-Niehl (AVG Köln). Die Wahl fiel auf den Standort Köln-Merkenich, da er von allen der umweltfreundlichste ist. Das liegt insbesondere am Verkehrskonzept, bei dem leise, emissionsarme Mobilität im Mittelpunkt steht. Ziel ist, die Anwohnenden und die Umwelt zu schützen und Chancen für Köln und die Region zu schaffen:

1. Ruhigere Straßen

In Merkenich ist dank der vorhandenen Infrastruktur eine einzigartige Lösung für den Transport möglich. Nur hier kann der Klärschlamm per Rohrleitung, Schiff, Bahn und Lkw angeliefert werden. Der Klärschlamm aus dem Großklärwerk Stammheim wird direkt über eine Rohrleitung in die Anlage transportiert – statt per Lkw durch Wohngebiete und über die Autobahn. Das ist möglich, da unter dem Rhein bereits ein Düker verläuft . Auch der vorhandene Hafen ist ein Vorteil für den Standort, da der Klärschlamm direkt über den Rhein zur Anlage transportiert werden kann. Dadurch halbiert sich der Anlieferverkehr auf dem nördlichen Autobahnring, im Vergleich zu den aktuellen Klärschlammtransporten in die rheinischen Kohlekraftwerke. In der Stadt entfallen 4.800 Lkw-Bewegungen. Stattdessen steuern zukünftig rund 15 Lkw die Anlage werktags über die Emdener Straße an – außerhalb der Merkenicher Wohnbebauung.

Auch aus Bonn kann der Klärschlamm leise und klimaschonend angeliefert werden: Vom Bonner Salierweg erfolgt der Transport per Schiff direkt über den Rhein statt wie bisher über die Straße. Das reduziert die regionale Verkehrsbelastung.

2. Weniger Emissionen

Im Vergleich zur aktuellen Braunkohleverbrennung verbessert sich die Luft im Kölner Norden deutlich. Im Umfeld sinken die Emissionen um mindestens 80 Prozent – für manche Werte sogar um 96 Prozent.

Auch über Gerüche müssen sich die Anwohnenden keine Sorgen machen: Die gesamte Anlage und Anlieferung werden eingehaust, also geschützt hinter Wänden betrieben. Das Unterdruckverfahren stellt sicher, dass jederzeit Luft von außen nach innen strömt und keine Gerüche austreten können. Jegliche Abluft wird abgesaugt und mitverbrannt oder über eine Reinigungsanlage abgeführt. Auch das Fußballspielen auf dem Platz und das Naturschutzgebiet direkt nebenan bleiben von der Anlage und ihrem Betrieb unberührt.

3. Aktiver Klimaschutz

Köln hat weniger als 15 Jahre Zeit, um auf Erneuerbare Energien umzusteigen. Der Rat der Stadt hat im Dezember 2021 entschieden, dass Strom bis 2030, Wärme bis 2035 nur noch erneuerbar, also klimafreundlich und nachhaltig erzeugt werden soll.

Die Anlage hilft dabei, denn Klärschlamm ist eine erneuerbare Ressource und damit klimaneutral. Auch die Umweltverbände sehen das so. Die Energieerzeugung aus Klärschlamm kann sich sehen lassen: Es entsteht ganzjährig genug erneuerbare Wärme für 1.700 Haushalte im Fernwärmenetz und die Industrie im Kölner Norden sowie Strom für das kommunale Netz.

4. Niedrige Kosten

Die vorhandenen Gebäude wie die Werkstatt und Fernwärmestation des Kraftwerks stehen für die neue Anlage weiter zur Verfügung. Der Anschluss an das Strom- und Wärmenetz ist vorhanden. Das senkt die Baukosten. Zudem sichert die Anlage vor Ort langfristig Arbeitsplätze sowohl am Standort als auch in der benachbarten Industrie.

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Wer ist an der Klärschlammverwertung beteiligt?

Die StEB Köln und die Stadtwerke Köln planen die Anlage gemeinsam mit weiteren kommunalen Kläranlagenbetreibern. Zudem hat die Stadt Bonn ernstes Interesse gemeldet, sich dem Projekt anzuschließen. Die KLAR GmbH wird die Anlage bauen und betreiben, wofür sie auf dem bisherigen Kraftwerksgelände von der RheinEnergie ein Grundstück in Erbpacht erhält. Hinter KLAR stehen ausschließlich kommunale Unternehmen. Die Gesellschaft arbeitet daher nicht gewinn-, sondern kostenorientiert.

Die Anlage ist mehr als nur ein Baustein für die klimaneutrale Energieversorgung in Köln: Durch die interkommunale Zusammenarbeit mehrerer Kläranlagenbetreiber unter dem Dach der KLAR profitieren die Menschen in vielen Städten und Gemeinden im Rheinland künftig von einer sicheren und bezahlbaren Entsorgung ihrer Klärschlämme. Der Großteil des Schlamms stammt weiterhin aus Köln, ein Fünftel aus Bonn und rund 30 Prozent aus Nachbarkommunen.

Durch das gemeinsame Vorgehen wird es für alle günstiger. Alle Beteiligten gewinnen eine langfristige Entsorgungssicherheit bei stabilen Preisen. Das Risiko stark steigender Marktpreise entfällt. Zudem lässt sich die geplante Anlage sehr wirtschaftlich betreiben: Die verbindliche Festlegung der angelieferten Klärschlammmengen gewährleistet eine Vollauslastung.

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Wie ist der aktuelle Stand der Planung, Genehmigung und Öffentlichkeitsbeteiligung?

Ein kontinuierlicher, offener und transparenter Dialog ist die oberste Maxime, die den gesamten Prozess der Anlage begleitet. Seitdem der Rat der Stadt Köln im Mai 2021 die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens (KLAR GmbH) zum Bau und Betrieb einer Klärschlammverbrennungsanlage beschlossen hat, stehen die Projektpartner im stetigen Austausch mit der Stadt, Politik, Vereinen, Unternehmen und Bürgerinnen und Bürgern. Bereits Ende 2020 gab es erste öffentliche Informationen zu den Überlegungen und Konzepten, um die Bevölkerung fest einzubeziehen – mehr als zwei Jahre vor Beginn eines formalen Planungsprozesses. Bedenken bezüglich der Verkehrsführung wurden bereits aufgegriffen.

Momentan befinden sich die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (StEB Köln) und die Stadtwerke Köln (SWK) noch in Vorplanungen, Vorgesprächen und letzten Abstimmungen für die Gründung der Gesellschaft. Bis Ende 2022 steht der endgültige Rahmen des Projektes fest. Danach beginnt erst die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, bei der sich die Bürger und Bürgerinnen umfassend beteiligen und einbringen können. Das Ergebnis mündet in den Antrag auf Genehmigung, der Mitte 2023 bei den Behörden eingereicht wird.

Den Projektverantwortlichen ist es wichtig, dass die Menschen im Kölner Norden ihre Bedenke und Ideen äußern können, sodass zusammen konstruktive Lösungen entstehen. Im Frühjahr 2022 erfolgen deswegen öffentliche Dialogveranstaltungen in Köln-Merkenich. Dort können sich interessierte Bürgerinnen und Bürger zum Projekt informieren und Fragen stellen. Da für alle Beteiligten der Schutz und die Gesundheit der Menschen an oberster Stelle steht, wird der Stand der aktuellen Pandemielage entscheiden, in welchem Format (ob vor Ort oder digital) die Veranstaltungen stattfinden können.

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Fragen und Antworten

Was ist Klärschlamm?

Wenn Abwasser gereinigt wird, bleiben organische und mineralische Rückstände in Form von Klärschlamm zurück. Wichtige Rohstoffe darin lassen sich weiter nutzen. Zum Beispiel sind die Betreiber spätestens 2032 verpflichtet, Phosphor zurückzugewinnen – Verfahren und Standort dafür stehen noch nicht fest.

Wie wurde der Standort Köln-Merkenich ausgewählt?

Insgesamt wurden sechs Standorte genauer untersucht. Dabei handelte es sich um gewerblich bzw. industriell genutzte Standorte mit geeigneter Infrastruktur wie in Hürth, Weisweiler oder Köln-Niehl (AVG Köln). Der Standort Köln-Merkenich stach dabei als besonders umweltfreundlich heraus. Er überzeugte vor allem mit der vorhandenen Infrastruktur, die Transporte per Rohrleitung, Schiff, Bahn und Lkw auf kurzen Wegen und klimafreundlich möglich macht – ohne Fahrten durch bewohntes Gebiet zu führen. Zudem lassen sich die Anlagen für Wärme- und Stromtransport weiter nutzen.

Darüber hinaus wurden die Kosten, die bauliche Eignung der Fläche und unternehmensstrategische Überlegungen betrachtet.

Woher kommt der Klärschlamm?

Der Klärschlamm stammt zur Hälfte (10.000-15.000 Tonnen pro Monat) direkt aus Köln und wird überwiegend ohne Verkehrsbewegung per Druckleitung geliefert. 20 Prozent sollen per Schiff aus Bonn, weitere 30 Prozent von Kommunen im näheren Umfeld (ca. 40 km) kommen. Insgesamt beläuft sich die Kapazität auf ungefähr 30.000-39.000 Tonnen Trockensubstanz.

Wie hilft die Klarschlämmverwertung beim Klimaschutz?

Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag dazu, die Energieversorgung in Köln klimaneutral umzustellen. Denn mit Klärschlamm lässt sich klimaneutrale Fernwärme für rund 1.700 Haushalte und die Industrie erzeugen, dazu klimaneutraler Strom. Das Verbrennen von Klärschlamm ist – anders als die Verbrennung von fossilen Rohstoffen wie Erdöl – klimaneutral, denn Klärschlamm besteht zum weit überwiegenden Teil aus natürlichen Rückständen. Er ist also regenerativ. Das derzeit maßgebende Gesetz stuft den Klärschlamm als nicht-klimarelevant ein. Er kann damit als Erneuerbarer Energieträger genutzt werden. Das sehen auch Umweltverbände so.

Nachfolgend finden Sie ein PDF mit FAQ mit Fragen und Antworten zu folgenden Punkten: Allgemeine Fragen (A), Umweltbelastung (B), Bau der Anlage (C), Betrieb und Sicherheit der Anlage (D), Transport (E) sowie zum Thema Klärschlamm allgemein (F).
Die Informationen werden fortlaufend aktualisiert.

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Materialien

Hier finden Sie einen Informationsflyer zum Download.

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